Montag, 16.3.2026
- mbergdolt
- 18. März
- 6 Min. Lesezeit
7.30 Uhr. Ich laufe los Richtung Schule. Der Weg dauert nur ungefähr 7 Minuten. Ich unterquere eine Fernstraße, die jetzt nur mäßig Verkehr aufweist und laufe auf der anderen Seite ein Stück an ihr entlang. Ich weiß, dass viele Schüler zur Schule gebracht werden und wahrscheinlich sitzen einige in den vorbeifahrenden Autos. Ich biege in ein Wohngebiet ab und die Schule ist in Sichtweite. Ich meine die Blicke zu spüren, die mich aus den Autos heraus treffen. Klar, unsere Schüler und ich sind Exoten. Wir fallen auf, weil wir neu sind.
Um 8 Uhr sollen wir uns im Lehrerzimmer einfinden. Dort ist für unsere Gruppe ein Tisch freigehalten. Es wird zur Begrüßung Tee und Kaffee gereicht, ebenso Gebäck. Die Lehrerinnen Varpu und Hannah sitzen bei uns und lächeln freundlich. Die anderen Lehrkräfte sitzen an weiteren Tischen, besprechen sich und bereiten wahrscheinlich auch Unterricht vor. Ein vertrauter Eindruck, der ein bisschen Sicherheit vermittelt.

Wir werden zu unseren ersten Erlebnissen befragt und wie unser Ankommen verlaufen ist. Auch die Lieblingsfächer unserer Schüler sind von Interesse für Varpu und Hannah. Ebenso deren Hobbys. Die Atmosphäre lockert sich, wir fühlen uns angenommen. Wir unterhalten uns auf Englisch. Jetzt ist ein guter Augenblick, um die mitgebrachten Geschenke an Hannah und Varpu zu verteilen. Sie freuen sich über die kleineren Dinge aus dem Schwarzwald.
Dann werden die Stundenpläne unserer Schüler kurz besprochen. Sie liegen ausgedruckt vor und gelten ab Dienstag. Denn heute am Montag ist der erste Tag eines finnischen „Viertels“. Das Schuljahr ist in vier Vierteljahre unterteilt und jedes Mal bekommen die Schüler neue Stundenpläne. Der Tag heute hat also ein bisschen Sonderstatus, nicht nur aufgrund unseres Ankommens ;-)
Danach erhalten wir durch zwei Schülerinnen eine ausgedehnte Schulführung in perfektem Englisch. Wir bekommen wirklich alles gezeigt. Treppe hoch und Treppe runter geht es durch lange Flure zu Pausenbereichen mit Tischtennisplatten, einem Boxsack und schließlich zu Klassenzimmern, in die wir nach kurzem Anklopfen auch hineinschauen dürfen. Die finnischen Schüler blicken uns schüchtern an und wir blicken schüchtern zurück.


Zum Start des neuen „Viertels“ gibt es heute außergewöhnliche Aktionen. Zum Beispiel der „Bau von Schneeskulpturen“ auf dem Schulhof. Mit Schaufeln und anderen Gegenständen „stürmen“ die Schüler die vom Schneepflug dort aufgeschobenen Schneehügel und bearbeiten diese mit viel Energie. Unsere Schüler sind anfangs zurückhaltend. Verständlich. Nach einiger Zeit schauen jedoch immer häufiger finnische Schüler zu unserer Gruppe. Einige finnische Mädchen fassen sich irgendwann ein Herz und sprechen unsere Schüler freundlich an. Auf dem bis auf die Schneehügel eisfreien Schulhof bricht auch das „kommunikative Eis“ allmählich auf. Varpu und ich bekommen das mit und wir freuen uns darüber.


An finnischen Schulen wird sehr früh zu Mittag gegessen. Das beginnt schon um 10.30 Uhr und ist gegen 12 Uhr beendet. In dieser Zeit wird, wie bei uns, in mehreren Schichten gegessen. Wir dürfen mitessen und freuen uns über Kartoffeln mit viel leckerer Soße und kleingeschnittenen Würstchen. Jeder Schüler schöpft hier selbst so viel er mag. Dazu gibt es Salat und: Schulmilch :-)
Während unsere Schüler an der Schule bleiben, bis die Kinder der Gastfamilien ebenfalls nach Hause dürfen, erhalte ich eine Führung durch eine benachbarte Schule für Land- und Fortwirtschaft. Der Mann von Hannah arbeitet dort als Lehrer und ich bekomme eine detailreiche Führung durch alle Gebäude und zu allen Anlagen. Ich bin beeindruckt! Von Kuhhaltung im Modell- und Lehrstall führt der Rundgang zu Biogasreaktoren und zur Maschinenhalle mit den größten Traktoren, die ich je gesehen habe. Einer der Traktoren wird sogar mit Biogas betrieben. Der finnische Boden ist im Frühjahr oft sehr weich und die Traktoren brauchen sehr breite Reifen, um nicht zu tief einzusinken.


Am späteren Nachmittag komme ich nach Hause und bin etwas müde. Kein Wunder, denn die vielen Eindrücke und Informationen mussten aufgenommen und verarbeitet werden. Ich schlafe und wache erst nach ungefähr 1,5 Stunden wieder auf. Es ist noch hell und ich lese eine Nachricht von Varpu auf dem Handy. Ob ich noch spontan Lust auf eine kleine Wanderung in der Wildnis habe? Mit anschließendem Grillen an einem wunderschönen Fluss, zusammen mit ihrem Sohn und dessen Freund? Ich schreibe zurück, dass ich gerne mitkomme.

Die kleine Wanderung und das Grillen sind dann wirklich ein Erlebnis. Wildnis pur, und das nur ein kleines Stück hinter Haapajärvi. Das ist der große Vorteil der ländlichen Umgebung.
Matthias
English version:
Monday, 16.3.2026
7:30 a.m. I set off towards the school. The walk only takes about seven minutes. I go under a main road, which now has only moderate traffic, and walk along it for a while on the other side. I know that many students are being driven to school, and some are probably sitting in the passing cars. I turn into a residential area, and the school is in sight. I can almost feel the stares from the cars. Clearly, our students and I are unusual. We stand out because we're new.
We're supposed to meet in the staff room at 8:00 a.m. A table has been reserved for our group. Tea and coffee are served as a welcome, along with pastries. The teachers, Varpu and Hannah, are sitting with us and smiling warmly. The other teachers are sitting at other tables, discussing things and probably preparing lessons. It's a familiar atmosphere that provides a bit of security.

We're asked about our first experiences and how our arrival has gone. Varpu and Hannah are also interested in our students' favorite subjects. Their hobbies are also discussed. The atmosphere relaxes, and we feel welcome. We converse in English. Now is a good moment to hand out the gifts we brought to Hannah and Varpu. They are delighted with the small items from the Black Forest.
Then, our students' timetables are briefly discussed. They are printed out and will be valid from Tuesday. Today, Monday, is the first day of a Finnish "quarter." The school year is divided into four quarters, and the students receive new timetables each time. So today has a slightly special status, not just because of our arrival ;-)
Afterward, two students give us an extensive tour of the school in perfect English. We are shown absolutely everything. Up and down stairs, through long corridors to break areas with ping-pong tables, a punching bag, and finally to classrooms, which we are allowed to peek into after a brief knock. The Finnish students look at us shyly, and we look back shyly.


There are some special activities planned for the start of the new "quarter." For example, the "building of snow sculptures" in the schoolyard. Armed with shovels and other objects, the students "storm" the snow mounds pushed up by the snowplow and work on them with great energy. Our students are initially reserved. Understandably so. After a while, however, Finnish students increasingly look at our group. Eventually, some Finnish girls pluck up their courage and speak to our students in a friendly manner. On the schoolyard, which is ice-free except for the snow mounds, the "communicative ice" gradually breaks. Varpu and I notice this and are delighted.


At Finnish schools, lunch is eaten very early. It starts as early as 10:30 a.m. and is finished around noon. During this time, as is the case in our schools, lunch is eaten in several shifts. We are allowed to join them and enjoy potatoes with lots of delicious gravy and diced sausages. Each student serves themselves as much as they like. There's salad and school milk too :-)
While our students stay at school until the host families' children are also allowed to go home, I get a tour of a neighboring agricultural and forestry school. Hannah's husband works there as a teacher, and I receive a detailed tour of all the buildings and facilities. I'm impressed! From the model and teaching barn with its cows, the tour leads to biogas reactors and the machine hall with the largest tractors I've ever seen. One of the tractors even runs on biogas. The Finnish soil is often very soft in the spring, and the tractors need very wide tires to avoid sinking in too deeply.


I arrive home in the late afternoon, feeling a bit tired. No wonder, since I had to absorb and process all the impressions and information. I fall asleep and don't wake up for about an hour and a half. It's still light out, and I read a message from Varpu on my phone. Does I feel like going for a spontaneous little hike in the wilderness? And then a barbecue by a beautiful river, together with her son and his friend? I write back that I'd love to join them.

The short hike and the barbecue are truly an experience. Pure wilderness, and just a short distance from Haapajärvi. That's the great advantage of the rural setting.
Matthias


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